9 not-to-say-Sätze für Gespräche mit Gründerinnen
Dein Guide zum gelingenden Gespräch mit einer Freundin, Tochter, Bekannten, die gegründet hat
Als ich mich selbstständig gemacht habe, nannte mich jemand „arbeitslos“. Nicht spöttisch, eher ahnungslos – aber dieser Satz saß. Ich hatte mich gerade in den vielleicht mutigsten Schritt meines Lebens gestürzt, voller Ideen, voller Pläne – und wurde auf „keine Lohnarbeit“ reduziert.
Aus diesem Moment heraus entstand dieser kleine Guide: 9 „Not to say“-Sätze für Gespräche mit frisch gebackenen Gründerinnen. Denn Supervision für Gründerinnen beginnt oft genau hier – beim Sortieren von inneren Zweifeln und äußeren Kommentaren. Wenn Du lernst, solchen Sätzen souverän zu begegnen, stärkst Du Deine Selbstsicherheit von innen heraus. Und Du unterstützt Gründerinnen, indem Du ihnen nicht unbewusst Steine, sondern Fragen hinhältst, auf die sie bauen können.
01 „Ach ja, du bist ja gerade arbeitslos“
Fast richtig. Ich gehe zwar keiner Lohnarbeit mehr nach, aber bin nicht arbeitslos. Weder gemeldet, noch nicht gemeldet. Ich arbeite, und zwar viel.
Gegenvorschlag: „Wie bist Du in Deine Selbstständigkeit gestartet?“
02 „Du hast noch keine Kunden?“
Fast richtig. Ich habe noch keine zahlenden Kunden – aber eine Menge Ideen, Gespräche, Kontakte und To-dos. Kunden fallen nicht vom Himmel, sie entstehen durch Arbeit. Viel davon.
Gegenvorschlag: „Wie baust Du Dir gerade Deinen Kundenstamm auf?“
03 „Wovon finanzierst Du Dich dann? Ach ja, Dein Mann (wahlweise Frau) verdient ja…“
Fast richtig. Ich habe finanzielle Rücklagen – und vor allem einen Plan. Abhängigkeit ist kein Geschäftsmodell, Strategie schon.
Gegenvorschlag: „Wie hast Du die Anfangsphase finanziell geplant?“
04 „Musst Du morgen arbeiten? Ach ja – nee, Du arbeitest ja nicht mehr“
Fast richtig. Ich habe keinen Dienstplan mehr, aber meine Tage sind durchgetaktet. Nur weil ich meine Zeit selbst einteile, heißt das nicht, dass ich nichts tue.
Gegenvorschlag: „Wie organisierst Du Deine Arbeit gerade?“
05 „Na, das ist doch bestimmt nur ein Hobby, oder?“
Fast richtig. Es macht mir Freude – ja. Aber ich investiere Kapital, Zeit und Know-how, um damit Geld zu verdienen. Das ist der Unterschied zwischen Hobby und Business.
Gegenvorschlag: „Was genau bietest Du an – was ist Dein Geschäftsmodell?“
06 „Selbstständig? Oh je, das ist ja ganz schön riskant…“
Fast richtig. Es ist ein Risiko – aber ein kalkuliertes. Ich setze auf meine Fähigkeiten, nicht auf Glück.
Gegenvorschlag: „Was begeistert Dich so sehr an Deiner Idee, dass Du diesen Schritt gewagt hast?“
07 „Aber dafür hast Du doch bestimmt ganz viel Freizeit jetzt, oder?“
Fast richtig. Ich habe Flexibilität – keine Freizeitflatrate. Selbstständigkeit bedeutet: Du entscheidest, wann Du arbeitest – nicht ob.
Gegenvorschlag: „Wie sieht Dein Arbeitsalltag momentan aus?“
08 „Und wenn das nichts wird?“
Fast richtig. Es wird nicht alles funktionieren – aber ich werde daraus lernen und weitermachen. Scheitern ist kein Weltuntergang, sondern Teil des Plans.
Gegenvorschlag: „Was ist Deine Vision – wo willst Du mit Deinem Business hin?“
09 „Also ich könnte das ja nicht, mir wär das zu unsicher…“
Fast richtig. Sicherheit ist relativ. Ich baue mir meine selbst – Schritt für Schritt. Mut ist kein angeborenes Talent, sondern eine Entscheidung.
Gegenvorschlag: „Was gibt Dir den Mut, Deinen eigenen Weg zu gehen?“
10 „Fühlt sich das für Dich wie Arbeit an? Oder nach Spaß?“
Beides. Als wäre das ein Widerspruch. Ja, es macht Spaß – und ja, es ist Arbeit. Darf Arbeit keinen Spaß machen? Gerade weil es Spaß macht, arbeite ich so viel daran.
Gegenvorschlag: „Was macht Dir an Deiner Arbeit gerade am meisten Freude?“
Fragen sind nie neutral – sie können beflügeln oder entmutigen.
Wer gründet, springt ohne Netz, baut es im Flug und hofft, dass es hält – da braucht es keine Sticheleien, sondern Menschen, die hinsehen und zuhören. Offene, interessierte Fragen schaffen Verbundenheit und geben Kraft – und manchmal sind sie der winzige Funke, der aus einer Idee ein Unternehmen werden lässt. Denn Gründerinnen von heute sind vielleicht der Mittelstand von morgen. Und sie brauchen Rückenwind, keinen Gegenwind.
Solche Fragen werden kommen – garantiert. Und manchmal setzen sie einen Stich. Sie rütteln an Deinem Selbstbild, an Deiner Zuversicht. Hier kommt Supervision ins Spiel: Ein Coach, eine Mentorin oder auch einfach eine gute Freundin kann helfen, Deine Gedanken zu sortieren, Deine Haltung zu klären und Deine innere Sicherheit zu stärken. Denn die wichtigste Antwort auf kritische Fragen ist nicht ein perfekter Satz – sondern ein fester Standpunkt in Dir selbst.
Supervision für Gründerinnen ist kein Luxus, sondern ein Schutzraum: Hier darfst Du zweifeln, laut denken, stolpern – und wieder aufstehen. Damit Du bei der nächsten spitzen Frage nicht einknickst, sondern ruhig lächelst und sagst:
„Danke für Deine Sorge. Ich hab einen Plan.“